Kaddi wird gesund

Buchrezension: Autoimmunhilfe

24. Mai 2020
Tags: buchrezension, lektine

Das Buch „Autoimmunhilfe“ wurde von Dr. Simone Koch geschrieben und ist im Mai 2020 im Südwest Verlag erschienen. Es bietet Hilfestellung bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen, im speziellen durch eine Umstellung auf lektinarme Kost. Dieses Buch enthält viel Wissenswerte zu Lektinen, wo sie enthalten sind, warum sie problematisch sind und wie man ihnen den Gar ausmachen kann.


Zur Autorin

Dr. Simone Koch ist Ärztin und betreibt in Berlin eine Praxis für Ernährungs- und funktionelle Medizin. Sie hat selbst Hashimoto-Thyreoiditis und ist Teil des Blogs AutoimmunHilfe, der Informationen und Webinare rund um Ernährung, Hormone und Hashimoto bereitstellt. Darüber hinaus ist sie bei Instagram aktiv (drsimonekoch) und teilt dort täglich ihren Wissensschatz mit ihren Followern.



Dr. Simone Koch „Autoimmunhilfe“ © 2020 Verlagsgruppe Random House GmbH

Zusammenfassung

Nach einer kurzen Erklärung über die Faktoren, die das Entstehen einer Autoimmunerkrankung begünstigen und chronische Entzündung am Leben erhalten – neben Stress handelt es sich hierbei häufig um Lektine, als Auslöser von hormonellen Dysbalancen, Leaky-Gut-Syndrom und Typ-IV-Allergien – kommt ein kleiner Einschub über Dr. Kochs eigene Geschichte und wie sie dazu kam, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie schreibt über ihre eigenen Unverträglichkeiten, die sie zum Teil schon im Kindesalter bemerkt hat, über ihre Autoimmunerkrankung und wie sie sich schließlich durch eine Ernährungsumstellung selbst helfen konnte.

Im nächsten Kapitel geht es um die Geschichte der europäischen Ernährung. Dr. Koch erklärt wie wir abhängig von der Herkunft unserer Ahnen auch heute noch an gewisse Nahrungsmittel besser angepasst sind und warum es problematisch sein kann, Nahrungsmittel vom anderen Ende der Welt zu essen, die für unseren Körper fremd sind.

Danach geht es weiter mit Informationen darüber, wie Nahrungsmittel früher oder in ihrer ursprünglichen „Heimat“ zubereitet werden und wie dadurch auf ganz natürliche Art und Weise der Lektingehalt gesenkt und das Lebensmittel verträglicher gemacht wird, zum Beispiel durch Einweichen oder Fermentation.

Als nächstes erklärt sie, welche Schutzmechanismen der Körper selbst hat, um mit Lektinen umzugehen und welche zum Teil verheerende Schäden Lektine anrichten, wenn diese Schutzmechanismen nicht greifen. Darüber hinaus geht sie auf die einzelnen lektinreichen Nahrungsmittel ein und welche Lektine diese verschiedenen Nahrungsmittel genau enthalten.

Danach kommt ein Einschub über fünf weitere Einflussfaktoren bei Autoimmunerkrankungen: künstliches Licht, Störungen im Mikrobiom, hormonelle Disruptoren, schlechtes Omega-3 zu Omega-6-Verhältnis und unzureichender Schlaf.

Anschließend enthält das Buch praktischen Tipps, wie man für sich selbst mittels Testverfahren ermitteln kann, welche Nahrungsmittel man nicht verträgt und welche Nahrungsergänzungsmittel unterstützend hilfreich sein können.

Der praktische Teil setzt sich im nächsten Kapitel fort, in dem Dr. Koch erklärt, wie man seine Darmgesundheit und damit auch seine Autoimmunerkrankung durch lektinarme Ernährung verbessern kann. Das Programm ist in vier Phasen aufgeteilt, wobei man sich in zunächst stark lektinarm ernährt und nach und nach wieder lektinhaltige Nahrungsmittel einführt und beobachtet, was man verträgt – denn die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln ist eine hoch-individuelle Sache. Hier gibt es auch hilfreiche Tipps und Tricks, wie man es schafft, täglich frisch und ohne die Verwendung von Fertigprodukten zu kochen, gerade wenn man nicht alle Zeit der Welt hat.

Das letzte Kapitel enthält Rezepte, die speziell auf die verschiedenen Phasen der lektinarmen Ernährung abgestimmt sind.


Fazit

Insgesamt finde ich das Buch sehr gelungen. Es gut geschrieben und liest sich sehr flüssig. Ich finde es auch zu keinem Zeitpunkt repetitiv, wie es ja leider viele Ratgeber schnell werden.

Die Informationen sind schön aufbereitet und in so nette Geschichten verpackt, dass das Lesen kurzweilig wird und ich einfach weiterlesen musste. Gerade die Geschichte der europäischen Ernährung oder wie Nahrungsmittel früher oder in anderen Kulturen zubereitet werden, fand ich sehr spannend und auch sehr inspirierend, sodass ich gleich eine Runde Kartoffeln zum Fermentieren in Salzlake gepackt habe.

Auch das Kapitel, in dem es um die Umsetzung der lektinarmen Ernährung geht, finde ich sehr gelungen. Die Beschreibung ist gut und jeder, der möchte, ist danach in der Lage, dass Programm für sich selbst umzusetzen. Die Rezepte unterstützen dabei und auch wenn ich an dieser Stelle zugeben muss, dass ich noch keines nachgekocht habe, hat mich das ein oder andere Rezept durchaus angesprochen (z.B. die Tom Kha Gung und auch einige der Saucen) und die Zutaten sind bereits auf den Einkaufszettel gewandert.

Das Kapitel zu den weiteren Einflussfaktoren bei Autoimmunerkrankungen fand ich, obwohl es zum Buchtitel „Autommunhilfe“ passt, irgendwie deplatziert zwischen all den Lektinen. Es hat mich persönlich aus meinem Lesefluss gerissen – ich hätte das Buch vermutlich an einem Nachmittag durchgelesen, so hab‘ ich es erst mal weggelegt und etwas anderes gemacht – und irgendwie hat es den Informationsfluss so gestört, dass sich mein neuerlerntes Wissen über Lektine auch nicht so recht festigen will. Versteht mich nicht falsch, das Kapitel enthält definitiv wertvolle Informationen über die sich jeder, der seine Autoimmunerkrankung ganzheitlich behandeln will, einmal Gedanken machen sollte, aber vielleicht wäre dieses Kapitel besser am Ende des Buches aufgehoben gewesen.

Vom Kapitel zu den praktischen Tipps hatte ich mir persönlich am meisten erhofft und bin wahrscheinlich gerade dadurch enttäuscht. Ich hätte mir gewünscht, dass Dr. Koch hier mehr ins Detail gegangen wäre. Mir fehlen zum Beispiel bei den Tests Hinweise zur Auswertung, da es bei vielen Testverfahren ja eine Grauzone gibt, wo das Ergebnis nicht optimal ist, das aber aus den Referenzwerten nicht so konkret erkennbar ist. Vielleicht erwarte ich hier zu viel, aber da es ja sehr schwierig ist, Ärzte zu finden, die sich mit dem Thema auskennen, fände ich es schön, wenn ich im Anschluss einen Test selbst auswerten könnte – um mir eben selbst zu helfen. Auch finde ich die Informationen zu den Nahrungsergänzungsmitteln sehr oberflächlich. Mir hätte zum Beispiel eine Dosisangabe weitergeholfen, z.B. was ist denn beim L-Glutamin eine sinnvolle Dosis, wie viel Mariendistel sollte man nehmen, wie viele Units sollten mindestens in den Enzympräparaten vorhanden sein? Das Buch nennt zwar die Nahrungsergänzungsmittel, die unterstützend helfen, aber die Details muss man selbst recherchieren – hier erwarte ich von einem Ratgeber mehr Hilfe zur Selbsthilfe und auch wenn der Bedarf letzten Endes individuell ist, muss man ja dosierungstechnisch irgendwo anfangen. Gut fand ich hingegen die Informationen zur Magensäure, da das meiner Meinung nach, ein sehr unterschätztes Problem ist und Probiotika aller Art ohne ausreichende Magensäure sich gerne mal da ansiedeln, wo man sie nicht haben möchte.

Ein letzter Kritikpunkt sind die größtenteils fehlenden Literaturangaben. Ich schau durchaus gerne mal in zitierte Publikationen oder Bücher rein. Nicht unbedingt, um zu kontrollieren, ob das stimmt, was in dem Buch steht, sondern einfach um zu schauen, was es sonst noch zu lernen gibt. Gerade zu den Eigenarten der Zubereitung von Nahrungsmitteln in anderen Kulturen hätte ich gerne mehr erfahren.

Insgesamt hat mich das Buch auf alle Fälle gut unterhalten und ich habe Neues gelernt. Damit hat es meine Erwartungen voll erfüllt und wenn ihr mehr über Lektine erfahren wollt, ist dieses Buch definitiv eine Empfehlung wert.


Kaddi

Hallo, herzlich Willkommen!

Ich möchte wieder gesund sein.

Ohne Rheumatoide Arthritis, wiederkehrende Blasenentzündungen und Interstitielle Cystitis.

Ohne Medikamente, durch Verständnis der ganzheitlichen Zusammenhänge und einem artgerechten Leben.

Dieser Blog dient zur Dokumentation von Nachforschungen & Experimenten sowie der Wissensvermittlung, in der Hoffnung, kritisches wissenschaftliches Denken anzuregen und Mut, für eure Gesundheit Verantwortung zu übernehmen, zu fördern.

Tags

buchrezension, lektine, NEM

Rechtlicher Hinweis

Die auf diesem Blog veröffentlichten Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, eine medizinische Beratung oder Behandlung und dienen ausschließlich der Information.